Was so alles vor einem SoLa passiert

Vom Beginn des Sommerlagers 2013 trennen uns nun nur noch wenige Stunden – und was bis jetzt nicht geschafft ist, wird improvisiert. Aber viel bleibt nicht übrig – denn eigentlich hat das SoLa für die Leiterrunde schon im letzt Oktober begonnen… Wir geben einen kleinen Abriss, was vor einem Lager so geschehen muss.

Wir wissen selbst: eigentlich müssen alle früh planen. Und wir spüren an der eigenen Haut: so richtig einfach ist das nicht. Das rechtzeitige Buchen von Platz und Bus – in der Regel müssen wir spätestens 9 Monate im Voraus anfragen und buchen – sind dabei das geringste Problem. Viel mehr beschäftigt uns, wie wir ein gutes Betreuungsverhältnis gewährleisten können. Viele unserer Leiter sind mittlerweile berufstätig und nutzen ihren Erholungsurlaub für das Lager; andere sind selbst noch schulpflichtig; wieder andere studieren – der enge Zeitkorridor, der uns in der Überschneidung zwischen Uni-Semesterferien und Schulferien bleibt, hat uns etliches erschwert.

Nicht umsonst haben Martin und das Vorbereitungsteam deswegen fast graue Haare bekommen, als ein Transportfahrzeug gefunden werden sollte: unsere befreundeten Stämme und Organisationen sind in diesem Jahr alle nahezu in der gleichen Zeit unterwegs.

Auf einem Wanderlager oder einer Fahrt zählt das Erlebnis des Tages – wir lassen uns mit offenen Augen treiben und gucken, was die Welt uns zu bieten hat. Auf einem Stammeslager, das wir (fast) die ganze Zeit über auf einem Platz verbringen, haben wir einen anderen Anspruch: da wollen wir eine eigene Welt erschaffen. Von den Lagerbauten (Küche, Feuerstellen, Lagertor, Bannermast usw.) über die Zelte und anderes ersteht unser Lebensraum für zwei Wochen – und der will mit Programm und Leben gefüllt werden!

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Ganz offensichtlich sind die „handfesten“ logistischen und organisatorischen Aufgaben: ein großer Einkauf vor dem Lager von Lebensmittel und Programmmaterial, das Beladen von Fahrzeugen, das Organisieren des „Check-In“, wenn alle zum Abreisezeitpunkt aufgeregt ankommen.

Etwas im Hintergrund stehen die Aufgaben, die viel mehr Arbeit bereiten.

Der Tag auf dem Lager besteht aus drei Einheiten; morgens nach dem Frühstück, nachmittags nach der Mittagspause, abends nach dem Abendessen. Mindestens zwei große Programmpunkte stehen so an jedem Tag an – darunter die unverzichtbaren Klassiker wie die Lagerolympischen Spiele (LOS), der sagenumwobene Nachtpostenlauf (wer weiß, den soll es angeblich gar nicht immer geben…), ein Gottesdienst, Wasseraktivitäten, das Hike (3-Tages-Tour), usw. Jeder einzelne dieser Programmpunkte wird konzipiert und geplant von einer Kleingruppe aus Leitern. Um den Gesamtplan zu erstellen, verbrachte die gesamte Leiterrunde ein gemeinsames Wochenende in Klausur. Nachgedacht werden will auch darüber, wie das SoLa in die pädagogische Arbeit der Stufen eingebunden wird. All das laden sich unsere Crews aus den Stufenleitungen zusätzlich auf: Lea und Melanie etwa waren stundenlang kreativ, um danach noch mit einem (eigentlich unmachbaren) Budget ihr Material zu besorgen. Aber: „Versetze dem >Un< in >unmöglich< einen Tritt“, schreibt schon Baden-Powell – und so kommen einige unserer Workshops ohne einen Cent Kosten aus!

Das Sommerlager als Höhepunkt des Pfadi-Jahres verlangt unseren Materialkapazitäten alles ab. Schon seit Beginn des Jahres wurden an etlichen Abenden Ausbesserungen an Zelt-Planen vorgenommen, an Kochern, Töpfen und Werkzeug geschraubt und gewerkelt. Dank unseres großen Materialfundus sind wir in der Lage, sehr flexibel und autonom arbeiten zu können – aber dahinein müssen wir etliche Stunden investieren. Das alles koordiniert unser Materialchef Constantin und sein Stellvertreter, Henrik aus der Roverstufe, in technischen Belangen kompetent unterstütz von Jochen.

Unterwegs zu sein mit über 60 Personen muss gut geplant sein. Von der Kalkulation über die laufende Buchhaltung bis hin zur Abrechnung, von der Verwaltung der Teilnehmer- Unterlagen über die Beantragung von Zuschüssen und Koordination der Ausgaben steht viel Zahlen- und Papierschubserei. Macht nicht immer Spaß – muss aber eben auch sein. Die „Geschäftsführung“ für das SoLa zeichnet immerhin verantwortlich für ein Budget von etlichen Tausend Euro – aber nicht auszudenken, etwas wäre vergessen worden. Ist das Fährticket gebucht? Erreichen wir das Schiff, selbst wenn es Stau geben sollte? Wo wird der Busfahrer untergebracht? Können wir am Lagerort Holz kaufen? Wo ist das Bastelmaterial am günstigsten? Wie halten wir den Preis für das Lager trotz steigender Kosten niedrig? Können wir uns Bio-Essen im Lager leisten, oder werden die Sonntagsbrötchen gestrichen? – Der Kopf schwirrt Finanzreferent und Planer Martin und Toni, die im Vorstand für derlei verantwortlich zeichnet und mit deren Ausdauer so manches erst gelingen kann (Wer sonst mag schon in sechs Geschäften die Preise für Klebeband vergleichen, um bis zum Cent zu sparen?).

Klar: das alles muss funktionieren, neben Schule, Studium und Job. Und obwohl wir lange schon in der Planung drinstecken, bricht in der letzten Woche bevor’s losgeht noch einmal die Hölle los. Wir sind jetzt noch ein bisschen erschöpft vom Endspurt. Aber: der (Material-)Berg liegt vor uns. Die Sonne schein in Schweden. Und morgen werden wir verflixt müde sein, aber mit einem Lächeln im Gesicht aufbrechen.

Denn im Lager lernen wir voneinander und miteinander, leben unter einfachsten Verhältnissen und dem freien Himmel besser als sonst je… frei, so wie ein Vogel: